Mit der warmen Jahreszeit beginnt in Hohenlohe auch wieder die Badesaison. Gerade an diesem Wochenende und in der nächsten Woche öffnen zahlreiche Freibäder im Altkreis Crailsheim. Doch für einen erfolgreichen Badebetrieb braucht es nicht nur gutes Wetter – ohne Rettungsschwimmer geht im Sommer gar nichts. Im Landkreis hängt besonders viel an den ehrenamtlichen Mitgliedern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, kurz DLRG.

In Wallhausen übernimmt die örtliche DLRG-Gruppe an Wochenenden und Feiertagen die Wacht im Naturerlebnisbad. „Normalerweise beteiligen sich zwei Mitglieder an der Aufsicht. Wir unterstützen im Zweischichtbetrieb die Bademeister der Gemeinde“, sagt Katja Ley-Müller, bei der DLRG in Wallhausen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Wir haben 35 Personen, die alt genug sind und den notwendigen Rettungsschein besitzen.“ Erneuert wird dieser alle zwei Jahre, in Wallhausen war es in der vergangenen Woche wieder so weit. „Wir machen die Prüfungen meist unmittelbar vor Beginn der Saison, dann sitzt wieder alles“, erklärt Ley-Müller. Zudem übernimmt die DLRG auch die Rettungsschwimmerausbildung für das Freibad in Hengstfeld, und hat für Wallhausen aus eigener Tasche einen Defibrillator angeschafft.

Im Freibad Maulach laufen die Vorbereitungen ebenfalls. Für Rainer Hühnerkopf, Bäderbetriebsleiter der Stadtwerke Crailsheim und zweiter Vorstand der DLRG Crailsheim, bedeutet das viel Arbeit, denn das Bad muss auf Vordermann gebracht werden. „Die Aufsicht wird bei uns durch Angestellte, 450-Euro-Jobber und Ehrenamtliche gewährleistet“, sagt Hühnerkopf, und: „Der tatsächliche Bedarf ist aber besucher- und damit wetterabhängig. Bei schlechtem Wetter kommt vielleicht eine Handvoll Gäste, an warmen Sonnentagen auch mal über 3000.“

Wie schwer es dann sein kann, genügend Rettungsschwimmer zu haben, weiß Markus Belschner zur Genüge. Er ist in der Crailsheimer Ortsgruppe für das Einsatzwesen zuständig. „Wenn das Bad voll ist, dann brauchen wir bis zu acht unserer Rettungsschwimmer. Da glüht natürlich das Telefon, denn im Zweifel müssten wir halt die Türen zumachen.“

Dicke Haut und Galgenhumor

Neben dem Einsatzplan treiben aber auch ganz andere Sorgen Hühnerkopf und Belschner um: der Respekt gegenüber dem Rettungspersonal lässt nach. „Man braucht inzwischen wirklich eine dicke Haut und eine gute Portion Galgenhumor“, sagt Belschner. „Man bekommt die Leute kaum mehr aus den Becken, wenn ein Gewitter aufzieht. Das geht dann frei nach dem Motto: Da passiert doch nichts.“

Die mangelnde Aufsicht von Kindern durch deren Eltern bereitet Rainer Hühnerkopf Kopfschmerzen: „Wenn wir ein Kind am Beckenrand aufgreifen und danach die Eltern ausrufen, dann kommt auf die erste Durchsage nie jemand. Meist so auf die dritte oder vierte hin erscheint dann ein genervter Elternteil, der uns dann wegen der vermeintlichen Störung anmault. Dabei weist man nur auf die Gefahren hin.“ Wirklich in Rage bringen ihn Antworten wie „Dann machen wir halt ein Neues.“

Dafür fehle Hühnerkopf jegliches Verständnis. Dies gelte auch für die Respektlosigkeit gegenüber Rettungsschwimmerinnen, die leider immer mehr zunähmen, einige würden schlichtweg ignoriert. „Wenn ich so was mitbekomme, dann eskaliere ich das gleich eine Stufe weiter. Die sollen ruhig wissen, dass ich sie auch aus dem Bad werfe. Ein solches Verhalten dulde ich hier nicht“, betont Hühnerkopf.

Für Katja Ley-Müller gab es derlei Probleme in Wallhausen noch nicht: „Ich sehe mich da selbst als durchsetzungsfähig genug, aber hier ist es auch ruhiger als in Crailsheim.“ Unterschätzen will sie solche Entwicklungen dennoch nicht.

Ein weiteres Phänomen ist, dass die Schwimmfähigkeit nachlässt. Mit den Flüchtlingen kamen auch viele Nichtschwimmer. Auf der anderen Seite findet an Schulen immer weniger Schwimmunterricht statt und die Kurse haben meist mehr als zwei Jahre Wartezeit – Probleme, die Ley-Müller, Belschner und Hühnerkopf Kopfzerbrechen bereiten und am Pool sichtbar werden.

Es gab schon Morddrohungen

Schlechte Fähigkeiten waren 2015 Auslöser für eine Situation, in deren Folge Rettungsschwimmer in Crailsheim massiv angefeindet wurden. Ein Mann bewegte sich sehr unsicher im Wasser und wurde von einem anderen Badegast an den Beckenrand bugsiert und aus dem Wasser gezogen. Ein Rettungsschwimmer beobachtete die Lage, sah sie aber als gelöst an und kam deshalb nicht hinzu. In der Folge kam es in den sozialen Medien zu Vorwürfen bis hin zu Morddrohungen. Mehrere nebenberufliche Rettungsschwimmer quittierten daraufhin den Dienst.

„Retter, seien diese nun Feuerwehrleute oder Notärzte, Angestellte oder Ehrenamtliche, werden seit Jahren immer öfter im Einsatz bedroht“, sagt Markus Belschner. Außenstehende können oft Situationen nicht einschätzen, erschweren durch ihre Hysterie oder Gleichgültigkeit unter Umständen die Arbeit der Rettungskräfte. „Unter diesen Bedingungen ist es natürlich schwierig, gerade junge Leute zu gewinnen“, findet Belschner. „Dabei sind sie für die Ordnung und Sicherheit jedes Einzelnen von großer Wichtigkeit.“

Rettungsschwimmer sorgen für die notwendige Sicherheit: Rainer Hühnerkopf
(Stadtwerke) und Markus Belschner (DLRG) in Maulach. (Foto: HT, Nils Gundel) 

Quelle:
Hohenloher Tagblatt, 13.05.2017
Nils Gundel

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